Gersprenz Gewäsch - Folge 38

Shownotes

Zu Beginn dieses Podcasts sprechen wir mit Klaus Holdefehr über die Zeit zwischen 1939 und 1945 als das St. Josephshaus in Klein-Zimmern von den Nationalsozialisten und der SS beschlagnahmt und zum Lazarett für Kriegsgefangene umfunktioniert wurde.

Wir reden über die Kriegsgräberstätte außerhalb von Klein-Zimmern, wo weit über 400 ehemalige sowjetische Gefangene unwürdig begraben wurden und über die Geschichte dieser Gedenkstätte, die Bedeutung und über Erinnerungskultur.

Wir begeben uns aber auch auf eine Zeitreise durch die verschiedenen Jahrhunderte. Von der erstmals urkundlich erwähnten Entstehung der Wasserburg, über ihre verschiedensten Besitzer beziehungsweise Lehensnehmer und die Nutzungen bis hin zu Bischof Ketteler und seiner Anstalt für Knaben.

Immer wieder wurde auf dem Gelände abgerissen, um- und angebaut und dabei entstand das St. Josephshaus in seiner heutigen Form. Hier und da sieht man noch alte Wappen im Sandstein und wenn man ganz genau hinhört und die Ohren weit aufsperrt, kann man die Mauern die alten Geschichten flüstern hören.

Transkript anzeigen

00:00:05: Gerspränzgewäsch, der Podcast

00:00:09: mit

00:00:09: Alex und Annette.

00:00:13: Gute!

00:00:14: Und herzlich willkommen zu unserem Podcast.

00:00:16: Gersprenzgewäsch.

00:00:18: wieder am Küchentisch mit einem tollen Gast den wir heute begrüßen.

00:00:21: Wir wollen ein bisschen wieder Geschichtliches besprechen Heute... eher in Kleinzimmern.

00:00:28: Es geht auch ein bisschen um eine dunkle Zeit, Nationalsozialismus, ja Kriegsgefangenschaft und da könnt ihr euch vielleicht schon vorstellen wir sprechen über das Sankt Josefsheim aber vor allen Dingen auch über die sowjetischen Kriegsgräber im Kleinzimmer.

00:00:43: Und dazu haben wir Klaus Holdefair da.

00:00:46: wie schön!

00:00:47: Grüß dich Klaus Gude

00:00:49: Gute.

00:00:50: Hallo Klaus, ich finde es toll dass das so spontan mit dir geklappt hat bevor du jetzt auf große Reise gehst.

00:00:55: und mal ganz kurz ein bisschen zu deiner Person.

00:00:58: Du bist ja kein gebürtiger Zimner?

00:01:00: Nein!

00:01:01: Ich bin in Wormsgeboren in der frühen Nachkriegszeit.

00:01:06: In Mainz in einer Eisenbahnerwohnung aufgewachsen und bin dann relativ früh, äh neunzehnhundert zwanziebzig nach Berlin gezogen und war dort viele Jahre.

00:01:17: Und zwischenzeitlich habe ich auch mehr in Griechenland gelebt als in Deutschland und bin dann irgendwann aus Berlin nach Großzimmern gezogen, der Liebewegen.

00:01:31: Die Beziehung existiert längst nicht mehr aber ich bin immer noch hier.

00:01:36: Hat sich

00:01:36: dann auch ein bisschen Liebe zum Ort hier ergeben?

00:01:39: Zweckbündnis!

00:01:43: Du bist Journalist Du hast Journalismus studiert?

00:01:46: Ich

00:01:47: arbeite als Journalist, ich habe Politikwissenschaften studiert.

00:01:51: Und du hast auch eine eigenen Redaktionsdienst, eine Redaktionagentur?

00:01:56: Ja so nennen sich alle die, die als Freelancer arbeiten, Solo selbstständige.

00:02:00: Ah

00:02:01: ok und das heißt du schreibst für verschiedene Verlage, Zeitschriften, Zeitungen...

00:02:07: Also ich hab ne Weile lang Reisebücher über Griechenland zu üben und die Türkei gemacht Und ansonsten bin ich dann hier schwerpunktmäßig beim Darmstädte Echo verankert.

00:02:17: Ah,

00:02:18: okay!

00:02:19: Und dann interessierst du dich für den Nationalsozialismus?

00:02:24: So auch im Ortsgeschehen, kleinen Zimmern….

00:02:27: Du hast dich beschäftigt mit der Kriegsgräberstätte – wie bist du dazu

00:02:31: gekommen?!

00:02:32: Ich beschäftige mich in einem weiteren Feld mit Erinnerungskultur und diese Kriegskräberstätte sollte eigentlich ein Teil der Erinnerungskultur sein Und ich musste immer wieder feststellen, dass im Ort ihre Bedeutung ganz gering verankert ist.

00:02:49: Wie hat sich das ausgedrückt?

00:02:52: Indem sich nicht viel ausgedruckt

00:02:53: hat.

00:02:55: Also diese Städte hatte meines Erachtens viel zu lange, viel zu wenig Aufmerksamkeit.

00:03:01: Es gab zwar immer mal wieder Versuche sie in einem einigermaßen sagen wir mal ordentlichen Zustand zu halten Aber sie ist nie so aufbereitet worden, wie es ihre Bedeutung angemessen gewesen wäre.

00:03:16: Ja vielleicht

00:03:16: können wir dann ja gerade mal ganz kurz zur Geschichte zurückgehen?

00:03:19: Ich kann einfach mal ein Beispiel nennen das stammt übrigens von Manfred Göbel.

00:03:23: Wir haben damals einen runden Tisch zusammengerufen zu dieser Städte und da hat Manfred Göbel erzählt Ja, da liest jemand irgendwie Kriegsgräberstätte und es gibt keinerlei Erläuterung.

00:03:33: Und dann fangen die Menschen an zu fragen ja ist hier mal eine Schlacht geschlagen worden oder was ist hier passiert?

00:03:40: Und so war's auch!

00:03:42: Also es gab nur wenige Einheimische, die in etwa um die Bedeutung wussten und es gab auch einige von denen, die gar nicht so viel davon wissen wollten und die Fremden haben sowieso nichts erfahren.

00:03:53: Okay, ja gut.

00:03:55: Schwieriges Thema für vielleicht auch damals die Einheimischen dem Nationalsozialismus und im Zweiten Weltkrieg zusammenhängen.

00:04:03: Vielleicht wissen auch viele gar nicht dass das heutige Sankt Josefsheim in der Zeit von neununddreißig bis fünfundvierzig glaube ich in Hand der NSDAP oder sogar der SS war und dass es eine ein Kriegsgefangenenlager Lazarett war.

00:04:19: erst mal Lazarett glaube ich und dann war's

00:04:22: Nein, es war ein Lazarett für Kriegsgefangene.

00:04:26: Wir wollen genau sein!

00:04:28: Aber dann schon ab neununddreißig.

00:04:31: Das ist nineteenhundert und vierzig von der SS beschlagnahmt worden und ab dann als Lazarett genutzt worden.

00:04:39: Und weiß man denn, wie viele Gefangene dort waren so über die paar Jahre?

00:04:43: Das

00:04:43: ist schwer zu ermessen.

00:04:44: Weil da gibt es zu wenige Akten.

00:04:47: Aktenkundig sind die dort gestorbenen, die dann auch bestattet worden sind

00:04:52: und das war nicht so weniger für den... Ja ich stelle mir das gar nicht so groß vor.

00:04:57: Die namentlich belegbaren Dortbestatteten zählen threehundertsebeneinzig.

00:05:04: Es gibt aber Luftaufnahmen, frühe Luftaufnahme dieser Städte aus britischen und amerikanischen Beständen.

00:05:10: Daraus kann man schätzen, dass es etwa vierhundertfünfzig waren die dort auf seltsame Art und Weise beigesetzt worden sind nämlich in Gruppengräbern die wahrscheinlich ursprünglich die ersten Jahre noch durch irgendwelche Holzschilder gekennzeichnet waren, die wiederum aber verschwunden sind ohne dass sie durch irgendetwas anderes ersetzt worden wären.

00:05:31: Das heißt wir können jetzt selbst wenn wir das wollten, wenn wir da exhumieren würden keine vielleicht noch verhandenen sterblichen Überreste genau namentlich zuordnen.

00:05:41: Wie hat man denn überhaupt herausgefunden wer da begraben ist?

00:05:45: Die

00:05:45: Deutschen sind gute Buchhalter.

00:05:48: Und es gibt Akten über die dort beigesetzten, die sind in sowjetische Hände geraten und eingelagert worden in der Stiftung sexischer Kulturbesitz – von dort konnte man sie dann einsehen!

00:06:03: Also die waren in Deutschland verfügbar?

00:06:05: Diese Arbeit hat übrigens der Volksbund Kriegsgräberfürsorge geleistet der sich seit zwanzig-einundzwanzig um diese Städte kümmert.

00:06:15: Hat er früher schon mal, aber dann war eine lange Pause und dann gab es irgendwann mal eine Initiative hier aus der Kommunalpolitik einer Art Erläuterungsdafel dort aufzustellen.

00:06:25: Den Text zu erstellen war eigentlich dem Kleinzimmerner Ortsbeirat zugedacht und ich hatte da schon ein wenig Zweifel ob das eine historisch und sprachlich ausreichend kompetente Stelle ist.

00:06:37: Kann ich nachvollziehen?

00:06:38: Ja kann ich auch nachvollzieh'n!

00:06:40: Und wie ist es dann gelaufen?

00:06:42: Also dieser Ortsbeirat hat tatsächlich diese Schrift erstellt.

00:06:46: Nein,

00:06:47: im Kern muss ich wahrscheinlich schon sagen dass ich da die Initiative ergriffen habe und dann mal alle irgendwie mit dieser städte verbundenen Menschen in Großzimmern und auch darüber hinaus an einem runden Tisch zusammengebracht habe.

00:07:01: Dort am runden Tisch ist der damalige Bürgermeister Achim Grimm Zum ersten Mal in engeren Kontakt mit Viola Krause gekommen.

00:07:10: Viola krause ist die Vorsitzende des Kriegsgräberbunds Hessen und sie konnte ihm erklären, dass eigentlich der Bund dafür zuständig ist und das es ein Kriegskräbergesetz gibt, das bestimmte Gestaltungsvorgaben macht Und dass der Volksbund in der Lage ist, für diese Gestaltung Pläne zu machen und das die Umsetzung dieser Plänen aus Bundesmitteln finanziert wird.

00:07:34: Das hat den damaligen Bürgermeister sehr begeistert.

00:07:38: Ah ja okay dann!

00:07:40: Ist man die Kostensorge los?

00:07:42: Und so kam dann irgendwie eine etwas längerfristige Bewegung in die Geschichte die in einer völligen Neugestaltung dieser Städte mündete, in der Erarbeitung einer Gedenktafel.

00:07:53: In zwei Sprachen.

00:07:55: Deutsch und Russisch.

00:07:57: Und eine relativ umfänglichen Dokumentation auf der Homepage des Volksbundes.

00:08:05: Ja, die hast du dabei?

00:08:06: Die

00:08:06: habe ich dabei!

00:08:07: Die kann man also im Internet relativ leicht finden und einsehen.

00:08:11: Warum ist es für dich so wichtig, dass es eine Erinnerungskultur gerade in dieser Hinsicht gibt?

00:08:17: Dass man an diese Menschen erinnert die da du hast gesagt auf nicht so schöne... also du hast ein bisschen anders gesagt aber auch nicht zu schöne Art und Weise ums Leben gekommen sind.

00:08:28: Wie sind sie da überhaupt hingeraten diese Kriegsgefangenen Und warum ist das für dich wichtig?

00:08:35: Also die Art und Weise, wie sie in Gefangenschaft behandelt worden sind ist die Fortsetzung eines Kriegsverbrechens.

00:08:40: Aus meiner Sicht steht im Zusammenhang mit der Art des Feldzugs Barbarossa, der Nazis gegen Osteuropa – weil das schließt auch Polenein, das ist nicht nur die Sowjetunion – und das war ein Vernichtungsfeldzug.

00:08:55: Der war darauf gezielt die dort ansässige Bevölkerung nicht nur den Juden sondern auch die in Anführungszeichen Slavischen unter Menschen zu ermorden, um für die deutschen Lebensraum im Osten zu schaffen.

00:09:08: Und diese Strategie setzt sich noch bis in die Gefangenschaft dieser sowjetischen Soldaten fort.

00:09:15: Die war nämlich das unterste Ende der gefangenen Hierarchie.

00:09:18: Sie bekamen am wenigsten zu essen und sie bekamen die schlechteste medizinische Versorgung.

00:09:23: Also die unterste Hierarchi oder unterste Stufe

00:09:26: d.h.,

00:09:28: Gefangene aus anderen Ländern wurden besser behandelt?

00:09:31: Ja!

00:09:32: Wir haben ein Beispiel direkt hier in der Region, das Konvikt in Dieburg diente auch als Lazarett.

00:09:38: Eigentlich war Großzimmer eine Außenstelle und die Burg waren französische und britische Offiziere, die ihrem Offiziersrang gemäß dort behandelt wurden von den Deutschen.

00:09:50: und im Unterschied zu dieser Gräberstätte, die wir hier haben, die nicht zufällig mindestens fünfhundert Meter von der Siedlungslage entfernt ist, sind die französischen Gefangenen, die in Dieburg gestorben sind.

00:10:02: In Dieburg auf dem Stadtfriedhof beerdigt worden und dann übrigens im Nachhinein so war das üblich oder so ist es üblig für Franzosen geborgen und in heimischer französcher Erde erneut beigesetzt wurden.

00:10:16: also wir sehen da schon relativ große Unterschiede in der Behandlung kennen auch Schilderungen von Zeitzeugen, die haben wir irgendwo dokumentiert.

00:10:26: Dass wenn sowjetische Kriegsgefangene in die Nähe von Britzen und Franzosen gekommen sind es häufig so war dass die Britzen zum Beispiel halb leere Konservendosen über den Zaun geworfen haben damit die Nachbarn was zu essen hatten.

00:10:41: Und ein Essgeschirr das hatten sie nämlich auch nicht.

00:10:43: Die waren schon für die Dosen, für die Lehrendosen dankbar.

00:10:47: Die Sie dann wieder verwenden konnten in irgendeiner

00:10:50: Als Es-Geschirr.

00:10:53: Ein Teller, ja das ist sehr bedrückend muss ich ganz ehrlich sagen.

00:10:58: so.

00:10:58: Ja man hat ja schon viel gesehen viele Bilder vom Holocaust oder ich weiß gar nicht ob man es noch so sagen darf aber dass das hier so nahe ist und dass das eigentlich noch gar nicht so ewig lange her ist Das finde ich jetzt ja sehr bedrüppend Und durch diesen Feldzug den Nationalsozialismus gemacht hat und die Gefangenen, die dabei gemacht wurden.

00:11:25: Die kamen dann irgendwie nach Kleinzimmern?

00:11:28: Die

00:11:28: waren zunächst mal in verschiedenen Gefangenennagern untergebracht.

00:11:33: Eines davon war ein Babenhausen und die ernsthaft der Erkrankten sind dann in die Lazarette gekommen.

00:11:41: Was mich auch erstaunt hat, war dieses Protokoll was du uns vorab geschickt hattest von dem Zeitzeugen dem Herrn Ross aus Kleinzimmern dass ja tatsächlich alle im Haus bleiben mussten, wenn jemand auf dem Friedhof beerdigt wurde von den Gefangenen.

00:11:59: Ach ist das dokumentiert auf dieser Sonderseite?

00:12:02: Weiß ich gar nicht mehr!

00:12:04: Das war der Sachverhalt bei dem Schreiben vom Herrn Grim an die Frau Krause.

00:12:09: Das heißt sie wurden da ganz außen vorgelassen.

00:12:11: also die kleinen Zimmeneinwohner haben gar nichts

00:12:15: geschickt.

00:12:18: Die kleinen Zimmer Einwohner die haben überhaupt nichts... mitgekriegt von den Zuständen, von den Menschen und auch nicht doch.

00:12:26: Also die haben das schon gewusst?

00:12:28: Die

00:12:29: Kriegsgefangenen, die noch konnten wurden zu kleinen Zimmern der Bauern zur Arbeit eingeteilt.

00:12:35: also es gab schon Kontakte und es gab zum Beispiel auch Kontakte über das Personal weil es gab Haushälterinnen die waren Deutsche die dort im Lazarett gearbeitet haben unter anderem Die Tante von Heinz Adolf Renkel, der die größte Sammlung zu diesem Friedhof hat und auch relativ viel daher zum Berichten weiß.

00:12:55: Der

00:12:55: Herr Renkel?

00:12:56: Wie schlecht die Behandlung war!

00:12:57: Ich meine das waren sehr viele schon dokumentierte Tote also Menschen, die da gestorben sind und dann beigesetzt wurden, kamen da auch welche Leben draus?

00:13:08: Also einige werden das überlebt haben ja.

00:13:10: Aber da gibt es keine Berichte

00:13:11: drüber?

00:13:11: Da haben wir nichts genaues drübe hinein.

00:13:13: Jetzt kann ich mich erinnern, dass die Steine früher – also als ich Kind war.

00:13:19: Diese Kreuze, die standen eher wild durcheinander für mein Empfind.

00:13:25: Ich stehe

00:13:25: immer noch wild durchaeinander!

00:13:27: Also ich habe so ein bisschen

00:13:28: das

00:13:28: Gefühl, es ist mehr eine Reihe geworden?

00:13:30: Nein gut.

00:13:32: Das ist eine symbolische Steinsetzung.

00:13:34: Die bezeichnen keine einzelne Grabstätten und das Friedhofsareal war übrigens auch etwas größer als das was man heute sieht.

00:13:44: Wenn man etwas genauer hinschaut, gibt es am oberen Ende.

00:13:48: zwei gemauerte, frisch relativ neu-gemauerte Winkel.

00:13:52: Und es gibt diese Namensstelen mit den in Tontafeln geritzten Namen der dort beigesetzten, die wir erkennen und die bezeichnen die Außenmaße von dem eigentlichen Gräberfeld.

00:14:05: Der Volksbund Deutsche Kriegsgräber für Sorge ist auch der Initiator für die Gedenkfeiern niederregelmäßig stattfinden.

00:14:14: oder wird das anders organisiert?

00:14:16: Also es gibt unterschiedliche Gedenkfeiern auf diesem Friedhof.

00:14:20: Die Standardgedenkfeier ist zum Volkstrauertag, offizieller Anlass.

00:14:24: da lädt der Landkreis glaube ich dazu ein zusammen mit der Gemeinde und das gibt verschiedene Gedenkkfeiern um den achten und neunten Mai die diese dort beigesetzen in Zusammenhang bringen mit der Befreiung vom Faschismus.

00:14:39: wir haben dann also achten Mai normalerweise Deutsche Initiativen und im neunten Mai, weil nach Russischem Kalender war die bedingungslose Kapitulation Deutschlands am neunte Mai.

00:14:51: Feiern die am neunte Mai dort?

00:14:53: Warum hieß das eigentlich früher immer der russische Soldatenfriedhof?

00:14:57: Wo es doch eigentlich herausgekommen ist dass es nicht nur russes Kriegsgefangene waren sondern auch aus der Ukraine, aus Weißrussland und sonst woher?

00:15:08: Das hat in dieser Zeit niemand differenziert.

00:15:10: Also das war auch gegen Ende des Zweiten Weltkriegs so, dass die Angst vor dem was da kam formuliert wurde als Die Russe kommen.

00:15:19: Wobei es natürlich eine pikante Situation ist wenn man sich vergegenwärtigt Dass auf diesem Friedhof russische und ukrainische Opfer jetzt nebeneinander liegen.

00:15:29: Ja in der heutigen Zeit absolut

00:15:32: Das.

00:15:32: als Anekdote dazu ungefähr zwei Wochen nach dem Überfall Russlands Auf die Ukraine Ist ein Teil der Schriftzüge auf diesem Gedenkstein aus Rotem Sandstein beschädigt worden.

00:15:47: Und zwar, der Begriff Russisch ist da ziemlich kaputt gemeißelt

00:15:51: worden.".

00:15:52: Und das war zwei Wochen nach Kriegsbeginn?

00:15:53: Ja

00:15:54: und es gab dann anschließend eine Diskussion was machen wir denn damit?

00:15:58: also Achim Grimm machte sich Gedanken wie kann man sowas überhaupt reparieren?

00:16:03: Der Historiker des Volksbunds, der diese ganze Geschichte aufgearbeitet hat, hat in einem Vortrag eher die Meinung geäußert.

00:16:10: Das ist jetzt schon Teil des Denkmals.

00:16:12: Ach so!

00:16:12: Diese

00:16:13: Beschädigung ist Teil des denkmals, dass das eigentlich immer noch ein hochbrisantes aktuelles Thema ist.

00:16:21: Ja?

00:16:21: Diese Zugewürdigkeit Sowjetunion wieder gespalten in die ursprünglichen Länder von davor – Russen, Ukraine….

00:16:31: Georg ja, keine Ahnung was ist das noch alles.

00:16:34: Ja ich habe dazu mal glaube ich eine Überschrift formuliert die Toten kommen immer noch nicht zur Ruhe.

00:16:40: Ja wie passend.

00:16:43: und das ganze vordert neue Tote.

00:16:46: Genau.

00:16:47: Schwere Thema ja.

00:16:51: Abschließend aus meiner Sicht mehr ist daran gelegen diese im Landkreis ziemlich einzigartige Gedenkstätte fester in der Erinnerungskultur von Großzimmern zu verankern.

00:17:03: Also mir wird es gut gefallen, wenn es jedes Jahr zu dem achten Mai eine Initiative der gesamten Gemeinde gäbe dort der Toten und der Befreiung vom Faschismus zugedenken.

00:17:14: Und das ist noch nicht etabliert?

00:17:16: Nein!

00:17:16: Das würdest du dir wünschen?

00:17:17: Ja

00:17:18: Hättest du da Vorschläge, wie man das praktisch umsetzen könnte?

00:17:22: Also

00:17:23: wir sind gerade dabei mit einer kleinen Gruppe für dieses Jahr am achten Mal dort eine Gedenkfeier zu organisieren.

00:17:29: Es wäre mir aber sehr viel lieber wenn es im kollektiven Gedächtnis verankert wäre.

00:17:34: Wie das dann genau aussieht müssen die Akteure aus ihren Perspektiven entwickeln.

00:17:40: Die Akteure, meinst du dazu gehört auf jeden Fall die Gemeinde?

00:17:43: Unser Bürgermeister aus dem hessischen Umfeld der Politik-Leute.

00:17:49: Oder wer gehört alles dazu deiner Meinung nach?

00:17:52: Alle!

00:17:52: Alle, alle die!

00:17:54: Alle

00:17:55: genannten!

00:17:57: Alex, Erinnerungskultur... Also Stichwort Erinnerungskultur.

00:18:03: Ich persönlich habe mich damit noch gar nicht beschäftigt, so richtig bewusst wurde mir das jetzt erst im Gespräch mit dem Klaus-Holdefair aber du hast sich damit ein bisschen beschäftigt.

00:18:14: und Erinnerungskultur was genau versteht man darunter?

00:18:19: Ja ich fand den Begriff auch erstmal Nicht speziell, aber doch so dass ich damit jetzt nicht unbedingt direkt was anfangen konnte.

00:18:28: Also ich konnte das nicht in Worte fassen was es eigentlich genau ist.

00:18:31: also habe Ich mal nachgelesen google recherchiert die Erinnerungskultur ist eigentlich der spiegel indem eine gesellschaft ihre vergangenheit

00:18:40: betrachtet

00:18:42: also auf ihre Vergangenheit schaut.

00:18:43: was ist da passiert?

00:18:45: eben auch um die gegenwahrt die wir Jetzt gerade haben zu verstehen Und auch um die Zukunft, nicht die Vergangenheit.

00:18:52: Die Zukunft vielleicht anders oder neu zu gestalten

00:18:55: und vielleicht

00:18:56: besser zu machen.

00:18:58: Auch so unter dem Aspekt aus Fehlern lernen.

00:19:00: Aus

00:19:01: Fehlernen definitiv!

00:19:02: Und diese Erinnerungskultur entwickelt die sich?

00:19:06: Ist das etwas Festes?

00:19:09: Oder ist die überall gleich?

00:19:11: Nein, die ist nicht überall gleich.

00:19:13: Also das fand ich auch spannend.

00:19:15: Wir, die Deutschen beschäftigen sich natürlich mit ihrer eigenen Vergangenheit.

00:19:20: Insbesondere natürlich mit den Verbrechen der NS-Ideologie und was da alles passiert ist – mit dem Holocaust auch, mit dem Ersten Weltkrieg wird sich viel beschäftigt aber auch neuere Geschichte mit den DDR verbrechen.

00:19:35: Die Franzosen zum Beispiel, die arbeiten auch sehr viel ihre Kolonialzeit auf.

00:19:39: Und die Italiener haben ja auch eigentlich ein großes faschistisches Thema aber die beschäftigen sich wohl nicht ganz so damit was viele italienische Bürger auch ein bisschen nicht ärgert aber schade finden dass es da nicht so eine Erinnerungskultur oder so eine Aufbereitung von dieser Zeit gibt.

00:19:59: Und bei der Erinnerungskultur, gerade was jetzt hier bei uns in unserem Gespräch im Fokus stand mit dem Kriegsgefangenen Lazarett und dann natürlich auch wenn die verstorben sind diese Kriegsgräberstädte, da wissen wir ja wie das alles zustande gekommen ist und dass das so Ausläufer sind von dem Barbarossa-Feldzug.

00:20:24: Genau, jetzt ein Zeitzeugenbericht.

00:20:28: In den Zuge hatte er mit einem Zeitzeug von damals mit einem gewissen Herrn Ross aus Kleinzimmern sich getroffen vor Ort Wahnsinnig, was der Herr Ross ausgesagt hat.

00:20:45: Ja eine Geschichte.

00:20:46: Soll ich dir dem erzählen?

00:20:47: Ja!

00:20:48: Der war Zeitzeuge oder...

00:20:49: Er war Zeit-Zeuge, genau.

00:20:51: Also dieser Herr Ross gab folgendes zu Protokoll.

00:20:53: Mein Großvater Adam Hohenstein war von achtzehn bis fünfundvierzig Polizeidiener in Kleinzimmern.

00:20:58: Er war bei den Beisetzungen von Gefangenen aus dem St.

00:21:01: Josephshaus und im Lazarett in Dieburg dabei.

00:21:03: Bei den Leichentransporten mittels Pferdevorwerk wurde im Dorf ausgeschält

00:21:09: Ausgeschält.

00:21:10: Also da ist jemand mit einer Glocke oder was?

00:21:12: Ja, so

00:21:12: stell ich es mir vor.

00:21:12: Durch die

00:21:13: Straßen gegangen.

00:21:15: und warum?

00:21:16: Dass niemand auf die Straße gehen darf und niemand hinter dem Fenster steht und zuschaut während quasi die Leichen da vorbei gebracht wurden.

00:21:25: Okay

00:21:25: also die dürften... Da durfte keiner hinsehen!

00:21:27: Nein, da durfte keine hinsehen.

00:21:29: Wegen des besseren Wegzustands wurden die Leichentransporte über den jetzigen Brünchenweg vorgenommen.

00:21:33: Ich glaube das ist von unten da.

00:21:36: Das Grabgelände war für die Bevölkerung Tabu Also absolut tabu, niemand durfte es betreten.

00:21:42: Herr Ross und sein Freund Lothar Kunkel haben als Kinder dank dem Großvater aus einem Versteck aber zugesehen.

00:21:47: Also die haben das wirklich einmal beobachtet?

00:21:49: Genau!

00:21:50: Es wurden keine Massengräber angelegt, es wurden zwei Jahr-und Vierer Gräber vom Standort des jetzigen großen Gedenksteins zur Einfriedigungsmauer mit Törchen angelegt.

00:21:58: Das sagt er ja auch aus.

00:22:01: Ja

00:22:01: gruselig ne?

00:22:02: Ja dass ist wirklich grusulich vor allem auch, dass alle das so mitgemacht haben.

00:22:08: Genau, also es wurde ausgeschält und jeder hat sich dann da in seiner Wohnstube versteckt.

00:22:13: Und Kinder mussten rein durften nicht mehr auf der Straße spielen und nur weil jemand gestorben war, der als in Anführungszeichen Untermensch betrachtet wurde.

00:22:23: Das ist schon hart!

00:22:25: Ja das ist hart, das ist harte Verdrängung schon in dem Moment und da wird mir langsam auch klar warum Erinnerungskultur Auch noch wichtig ist, um das wirklich mal auszusprechen.

00:22:39: Um das auf den Tisch zu legen als Wahrheit und um es auch verarbeiten zu können.

00:22:46: Ich meine, das waren alles unsere Vorfahren die da mitgemacht haben.

00:22:51: Wohl wahr!

00:22:54: Ja super vielen Dank für diesen Exkurs.

00:22:57: Gerne war eigentlich doch jetzt ein ganz gutes Schlusswort.

00:23:01: Findest du?

00:23:01: Ja finde ich.

00:23:02: Hast du noch eine Frage?

00:23:03: Ja, etwas was wir halt häufig fragen.

00:23:06: Ich meine du bist... Du hast uns erzählt seit nünzeltfünfundachzig ungefähr weißt du das es Großzimmern gibt und hast da auch einige Kontakte und Begegnungen mit hier einheimischen und Mundart vielleicht gemacht?

00:23:21: Ja wie stehst du denn zur Mundart?

00:23:23: Hast du dir was angeeignet aus dem Zimnerisch?

00:23:26: Wenn

00:23:26: man in Mainz aufgewachsen ist, ist es nicht so schwer zimmerisch zu pappeln.

00:23:31: Ja sehr schön!

00:23:33: Sehr, sehr schön.

00:23:35: Ja!

00:23:35: Dann vielen Dank.

00:23:36: Vielen

00:23:37: Dank.

00:23:37: Bitte schön.

00:23:38: Das

00:23:38: ist toll, dass du die Zeit hattest und dir auch genommen hast für uns.

00:23:43: Und wir sagen Gute bis zum nächsten Mal.

00:23:47: Hallo, hallo!

00:23:48: Ich wollte noch mal euch was erzählen.

00:23:50: Die Annette hat sich nämlich die Mühe gemacht und hat alles, was bei Wikipedia über das St.

00:23:56: Josephs Haus stand, mal in einen Zeitstrahl gepackt weil das war alles wieder so wirr und so verworren dass man es überhaupt nicht verstanden hat.

00:24:04: Und jetzt bin ich aber mal gespannt, Annette

00:24:06: Ich auch.

00:24:07: Ich bin auch gespannt.

00:24:09: Also, es ist wirklich so ... Ja, meine Hauptquelle jetzt war Wikipedia.

00:24:13: Wir wollten ein bisschen was über St.

00:24:14: Joseph'sheim und seine Geschichte herausfinden von den Anfängen nicht nur in der Zeit, wo die NSDAP über St.-Josephsheim geherrscht hat, das wir ja jetzt beim Klaus gehört hatten, sondern was war das seit wann?

00:24:29: Ist bekannt dass es die Burg gibt usw.

00:24:31: Die Burg zu klein Zimmern wie die über die Jahrhunderte dann auch zum heutigen St.

00:24:38: Josephshain wurde.

00:24:39: und die Geschichte beginnt mit einer Jahreszahl, die uns schon wohl bekannt ist nämlich erstmals urkundlich erwähnt ist der Ort und die Burg, zwölfhundertsechs-un-siebzig.

00:24:49: Oh wow!

00:24:50: Da klingelt was?

00:24:51: Jaaa... Genau Und dann geht es weiter in den Jahrhunderten.

00:24:56: Eine nächste Erwähnung ist dass der Wilderich von Wilmar Verwalter im Mainz-Alehen über diese Wasserburg wurde, nämlich angelegt war dann das Anwesen in Kleinszimmern als Wasserburg.

00:25:09: Wir haben aber auch schon vom Manfred gelernt, dass es ja auch mal wahrscheinlich eine Wildhube war.

00:25:16: Das heißt der Ort und die Burg sind viel älter wie twelvehundertsechsundsiebzig.

00:25:20: Also

00:25:21: zumindest

00:25:21: wahrscheinlich?

00:25:22: Ja höchstwahrscheinlich!

00:25:23: Wahrscheinlich nicht unbedingt vielleicht die Burg an sich, aber dass da Gebäude standen, die als Wildhube bezeichnet wurden,

00:25:30: so

00:25:30: stelle ich's mir jetzt vor.

00:25:32: Ja, also das ist wie bei vielen.

00:25:34: Die Anfänger sind nicht genau belegt Es ist alles noch nicht wirklich wissenschaftlich akribisch aufbereitet worden.

00:25:42: Also wäre vielleicht mal was für so eine geschichtliche Doktorarbeit Wer da Lust dran hat?

00:25:48: Wer der Freude daran hat.

00:25:50: Aber Wasserburg wenn du sagst... Wahrscheinlich auch ein Grabendromom, oder wie ich muss sich mir das vorstellen.

00:25:56: Ja also da war ein Grabendromo, ich weiß nicht ob man da heute noch irgendwas von sieht aber das wurde auch entweder durch den Katzengraben gespeist oder eben auch durch die Gershprenz.

00:26:10: Das müsste mal jemanden fragen der sich da wirklich mit auskennt.

00:26:16: Aber ja eindeutig war es eine Wasserburg Und die wurde dann jetzt gerade, da schließt sich das fünftzehnte Jahrhundert an.

00:26:24: Da gibt es ganz viele Belege.

00:26:25: Da ging die Burgdassanwesen von Hand zu Hand sozusagen.

00:26:31: Also fourzehnhundertsieben fängt das an wenn Schenk Eberhard von Erbach an die Witwe seines Sohnes Eberhart die Burg übergibt.

00:26:38: als Pfand hat er die vom Falskraf Ruhbrecht von der Falzinne und so geht's auch weiter.

00:26:46: Die nächste Jahreszahl ist vierzehnhunderteen Herdegen von Buchis, erhält das Lehen vom Herrscher Braunek.

00:26:55: Also jetzt ist der Herdegenden da drin.

00:26:57: Dann kommt der Eberhardt von Wambold, der in den Hundert und vierzig klagt gegen den Eberhart von Schelm, dass er ihm das Land im kleinen Zimmern um den Hof mit Gewalt abgenommen hat.

00:27:10: Da gab es also Zoff!

00:27:12: Zores.

00:27:13: Zores,

00:27:14: wie man im Zimmer so schön sagt!

00:27:15: Zores

00:27:15: in kleinen Zimmern.

00:27:16: Weiter geht es.

00:27:27: Wie auch immer das ist.

00:27:28: Also es wird weitergegeben und weiter gegeben, dann schließlich kommt der Eberhard Wambold von Umstadt.

00:27:35: Also mal wieder ein Wambolt?

00:27:36: Genau!

00:27:37: Und das ist nämlich der Sohn vom vorher erwähnten Eberhart, der erhält jetzt das Lehen über die Burg und das Gelände.

00:27:45: Das ist dann immer sehr schön.

00:27:46: dann noch dokumentiert, wie viel Ecker und wieviel Sack Weizen und keine Ahnung.

00:27:51: also das wird dann immer ganz genau mit aufgeführt.

00:27:54: Und das konnten

00:27:54: wir Deutschen ja schon immer gut?

00:27:56: Ja, das scheint so!

00:27:58: Tatsächlich.

00:28:02: Und da gibt es nämlich einen Vertrag zur Erlenlösung des felsischen Anteils des Amts Haarbezheim zwischen Schenk Hans von Erbach und Ludwig von Bayern.

00:28:14: Ja, das nächste erst fast Jahre hundert später – fifteenhundertdreiundsechzig befinden wir uns jetzt – Hartmann Ulner vom Dieburg tritt seinen Anteil an Hans Ulner von Dieburg ab!

00:28:26: Also in dieser Zwischenzeit hat es ein Deburger bekommen.

00:28:31: Das sollten wir nicht so laut

00:28:32: sagen!

00:28:33: Okay... Ja, und dann weiß man nicht genau.

00:28:38: aber so um sechzehnhundert herum wurde da viel viel gebaut und umgebaut und ausgebaut und ja und das ist belegt durch das Doppelwappen im Sandstein Da gehörte nämlich die Burg laut diesem Wappen Georg Heinrich ganz von Otzberg und seiner Frau Anna Maria von Daun.

00:28:58: Und dieses Wappen kann man heute noch sehen im Sandstein, da gibt es auch viele Bilder im Netz.

00:29:04: also wer das mal sehen möchte wie diese Wappem aussehen?

00:29:08: Ganz und Daun!

00:29:09: Ganz und Down!

00:29:09: Sechzehnhundertfünfunddreißig dann nach dem Tod vom Georg Heinrig wurde die Zimnerburg an seinen Schwiegersohn Friedrich Reinhardt von Bettendorf übergeben

00:29:20: Bettendorf.

00:29:22: Und bis dahin war es auch immer irgendwie als Burg betittelt, ne?

00:29:25: Ja, Burg Wasserburg manchmal auch schlossähnlich bezeichnet also so eine richtig einheitlich durchgehende Gebäude.

00:29:34: Bezeichnung habe ich jetzt nicht gefunden.

00:29:37: Rittergut, ritterähnliche... Also das kommt alles vor.

00:29:40: Schon

00:29:40: spannend!

00:29:41: Genau, der Georg Heinrich ganz von Otzberg ist tot und der Schwiegersohnrheinhardt vom Bettendorf hat das jetzt Und der Sohn wiederum, also der Friedrich Reinhardt und seine Frau Anna Amalie.

00:29:57: Die erben das Anwesen und übergeben es als Lehnen dem Operisten Felix Bienbach von Teujenfels.

00:30:04: Der Felix...und das war ganz witzig!

00:30:06: Das ist so das erste Mal dass ich gefunden habe, dass auch Geld für investiert wurde oder dass diejenigen die das Lähen erhalten haben dafür zahlen mussten.

00:30:15: Der hat da für drei tausend Golden gezahlt.

00:30:21: Ich weiß nicht, ob das ein besonderes Datum ist.

00:30:37: Jetzt bin ich kein Mathe-Genier aber irgendwie viel.

00:30:41: Hat er vielleicht durch die Zinsenwett gemacht?

00:30:44: Ja keine Ahnung.

00:30:47: Gabs irgendein Bruch.

00:30:50: Die Lehnsherren, die immer noch die Grafen zu Eisenburg und Bödingen sind bieten den Teil vom Felix-Biedenbach zur Trojenfels den Freihärm von Frankenstein zum Kauf an.

00:31:02: Der dann auch durchgeführt wird.

00:31:04: am fünften Mai, also jetzt kommt ein Freihäer von Frankenstein ins Spiel.

00:31:11: Ja der Besitzer aber war?

00:31:13: Nein das war wieder nur ein Lähnen!

00:31:17: Besitzer waren offensichtlich die Lehnsherren, also die Grafen zu Eisenburg und Bödingen.

00:31:23: Die das dann immer zur Verwaltung verkauft haben.

00:31:28: Verstehe ich auch nicht!

00:31:30: Ja

00:31:31: Kompliziert dieses Mittel, Alter.

00:31:32: Das

00:31:32: ist wirklich kompliziert!

00:31:34: Auf jeden Fall der Freiherr von Frankenstein, der ist nicht da so lange... Der verkauft das Lähen dann nach dem guten alten Braun-Action.

00:31:44: lehensrechts steht also wirklich an Johann Adam, Trainer von Zimmern.

00:31:50: Und dieser Johann-Adam-Trenner von Zimmern, der hat bereits auch schon Lehen in Kleinzimmern.

00:31:56: Das ist wie gesagt so sechzehnundsechsundneunzig, sechzenhunderts, siebenundneuenzig rum.

00:32:02: also da kommt ersten als so einer mit dem beinahm Zimmern ins Spiel aber der bleibt noch nicht lang.

00:32:09: Wer hätte es gedacht?

00:32:10: Ja!

00:32:11: Bereits am ersten achten, siebzehnhundert wird die Burg weiter veräußert an den hessisch-darmstädtischen Oberforstmeister Georg Ludwig von Bobenhausen, genannt Mernolf.

00:32:25: Keine Ahnung da habe ich nicht weiter recherchiert was es damit auf sich hat genau.

00:32:31: Die Brüder August und Anton Bertrand von Seil kommen an das Lähen ab.

00:32:37: siebzehnhundert neunzehn ist August dann alleiniger Lehnsinhaber.

00:32:44: Das ist so ein Datum noch, also zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts steht da eigentlich.

00:32:50: War dann die Burg ein Rittergutähnliches Anwesen und wurde hauptsächlich als Landwirtschaftsbetrieb genutzt?

00:32:57: Wie das vorher genutst war, konnte ich nicht so rausfinden.

00:33:00: Also wir

00:33:00: wissen nur wer es in Besitz hatte oder... oder wer es an wen verkauft, verpachtet wie auch immer hat.

00:33:07: Aber wie ist denn eigentlich genutzt worden?

00:33:09: Ob da wirklich die Leute dann auch gewohnt haben, die's dann inneharten oder nur Landwirtschaft betrieben und... Ja, wiederum unterverpachtet weiß man alles nicht.

00:33:18: Ist ein bisschen schwierig.

00:33:20: sicherlich gibt es da auch wenn man lange lange gräbt auch Quellen.

00:33:24: aber das hier ist eigentlich echt so eine Reihe von Urkunden die vorliegen die auch echt sind sag ich mal also und da geht es halt um diese Verträge um die Übergabe Mehr steht nicht drin, außer halt wie viel Ecker dazu gehören und welche Häuschen und welche Gebäude dazugehören.

00:33:43: Das ist dann schon mit eingetragen.

00:33:46: Auf jeden Fall war zuletzt das Gut wieder im Besitz von den großschlagischen Adels-Geschlecht.

00:33:54: zu Dieburg also ganz am Anfang erinnern wir da hatten wir so ein paar Dieburger und bis es jetzt hier wieder mit der neueren Geschichte weitergeht Letzte des Adelsgeschlechtes, die Gräfin Achtung.

00:34:09: Maria Anna Philippine Walburger von Lerchenfeld Köfering Geborene Großschlag.

00:34:16: Die war die letzte Inhaberin

00:34:20: Besitzerin

00:34:21: und sie verfügte testamentarisch kurz vor ihrem Tod dass das Anwesen jetzt an die Gemeinde Kleinzimmern übertragen wird.

00:34:30: Und Sie ist etwa Und zu diesem Zeitpunkt, in diesem Zeitraum etwa war schließlich die Wasserburg dann... Eigentum der Gemeinde Kleinzimmern.

00:34:43: Und da habe ich eine kleine Anekdote, da hat mir nämlich der Mannfried dazu erzählt dass diese besagte Dame nämlich in Wien gelebt

00:34:51: hat

00:34:52: mit einem Wiener wohl verheiratet war und zu überhaupt keine Interesse mehr an diesem Gut hier in Kleinzimmeren hatte und weil das Klang jetzt so sie hatt es dann großmütig an die Gemeinde Großzimmer verkauft aber wahrscheinlich wollte es einfach nur los

00:35:06: werden.

00:35:07: ja also sie hat es.

00:35:09: Ich weiß nicht, ob sie es verkauft hat.

00:35:11: Sie hat die Gemeindekleinzimmer offenbar in ihrem Testament berücksichtigt.

00:35:15: Warum auch immer?

00:35:16: Jedenfalls wurde dann, aus dem Anwesen von Bischof Emanuel Wilhelm von Kettler, Zwecks der Eröffnung einer Knabenanstalt erworben und wurde somit zum St.

00:35:28: Joseph's Heim.

00:35:30: Genau!

00:35:31: Wieso denn jetzt St.Josephs Heim?

00:35:33: Der Name meinst

00:35:34: du?!

00:35:35: Ja, da gibt es eine Aufzeichnung.

00:35:37: Das hat das St.

00:35:39: Josef's Haus selbst mal rausgebracht auch in der Broschüre und zwar hat der Bischof von Kettler.

00:35:45: Kette-Ler heißt er ja eigentlich schon im Sandbach vorher eine Mädchenschule eröffnet.

00:35:50: Eine Mädchenanstalt?

00:35:52: Ja, das klingt immer so böse!

00:35:53: Aber die Schwitschbühne wurde das wirklich genannt und ich glaube heute sagen immer noch viele kleine Zimmer die Anstalt.

00:35:59: Das ist so hängen geblieben mit den Köpfen.

00:36:01: also jedenfalls gab es zuerst diese Mädchen Anstalt das Mädchen Heim in Sandbach, das hat auch Bischof Kettler ins Leben gerufen und dann hat er eben nach einer Örtlichkeit gesucht um eine Knabenanstalt ein Knabenheim zu eröffnen.

00:36:17: Und St.

00:36:17: Josephs Haus weil diese Mädchen-Anstalt die heißt nämlich Sandmarinweisenhaus so heißt es genau und ist nämlich das haus für arme Mädchen unter den Schutz der Mutter Gottes gestellt Der ist Maria, genau.

00:36:32: Und die Knabenanstalt in kleinen Zimmern, die sollte dann eben unter der Fürsorge des heiligen Josefs stehen

00:36:39: als Pondant sozusagen

00:36:40: und deswegen bekommt sie den Namen St.

00:36:43: Joseph's Weisenhaus.

00:36:45: so kamen er nahezustanden.

00:36:48: Ach ja!

00:36:49: Ja schön, schön dass man das weiß.

00:36:51: also ich hatte mir da noch notiert zu der Knabenanstalt wahrscheinlich auch zu der Mädchenanstalt, dass das wirklich gemeint war als kirchliche soziale Einrichtung.

00:37:02: Als Heim für Weisen und deren Schul- oder Berufsausbildung.

00:37:07: Dass sie da eine Chance im Leben haben – und das ist ja ein sehr ehrenwerter Gedanke!

00:37:14: Und ich glaube, da war die Kirche zu dem Zeitpunkt vor Reiter, weiß nicht kann man Vorreiter sagen.

00:37:21: Jedenfalls gab es noch nichts Gesetzliches, weltliches.

00:37:24: also so was wie ein Jugendamt gab's dann auch nicht?

00:37:26: Nein

00:37:26: da waren wir noch weit von entfernt.

00:37:27: Ja ja also sein Motto war Wie der heilige josef nährvater jesu war So soll auch er im sant josefs haus Ein himmlischer nähr vater unserer knaben seien.

00:37:37: das st.

00:37:38: Josephshaus soll den kindern ein gutes elternhaus ersetzen.

00:37:41: Ja, schöner Gedanke.

00:37:43: Ob es dann alles so umgesetzt wurde, da stecken wir nicht so richtig im Detail ne?

00:37:48: Auf jeden Fall, war ein großer Bedarfvolter, es gab sehr viele und deswegen wurde das St.

00:38:02: Josefsheim immer weiter aus- und angebaut.

00:38:05: also, auch in den Sechsensechzig bereits wurde noch das benachbarte Hof gut erworben um da Knaben unterzubringen genau so wie die Sechsensächzechzig weiter umgebaut wurden und im Todesjahr von Kettler.

00:38:21: zu dem Zeitpunkt lebten neunzig Jugendliche in dem Heim.

00:38:25: Wann ist er gestorben?

00:38:27: Sieben

00:38:29: und siebzig.

00:38:29: Genau, und zwar im Juli, dreizehnter Juli.

00:38:33: Ich habe dann auch mal geschaut so in ein paar Stichpunkten.

00:38:36: Wer war der denn?

00:38:39: Weil hier ist der Name ja durchaus viel genutzt im Raum.

00:38:44: also wir haben Kettlerstraßen, das Kettlehaus und weiterer die Kettlerschule weitere Dinge, die nach ihm benannt wurden.

00:38:52: Und auf jeden Fall war er natürlich deutscher Theologe, römisch-katholischer Bischof zu Mainz.

00:38:59: Dann auch Politiker.

00:39:01: Er war Mitglied der Deutschen Zentrumspartei und er war der Gründer der katholischen Arbeitnehmerbewegung.

00:39:08: Deswegen sagte man zu ihm auch öfter mal Arbeitsbischof.

00:39:14: Und den Ankauf, den hat er mit Spenden finanziert?

00:39:17: Ja überhaupt.

00:39:18: Die ganze Sache wurde finanzierte durch Spenden, durch die Kollekte am weißen Sonntag.

00:39:24: also er war da sehr höhere im Geld eintreiben und hatte es ja dann auch dafür genutzt und man hat ja auch gesehen dass er für das Geld echt viel hingestellt hat.

00:39:33: Auf jeden Fall hat er sein Leben unter das Motto gestellt Armut Krankheit und mangelnde Ausbildung zu lindern, zu beheben, zu verbessern ist ein Bischofswappen, das kann man heute noch auch im St.

00:39:47: Josephsheim am Südflügel sehen.

00:39:50: da ist es angebracht.

00:39:52: ja er war mit Adolf Kolping befreundet.

00:39:54: das fand ich noch sehr interessant weil hier haben wir auch die Kolpinganlage.

00:39:59: wir haben die Kolbingfamilie also auch einen Name der hier sehr präsent ist in der Gegend und er war Mitbegründer der katholischen Soziallehre.

00:40:07: aber es gibt auch paar negative Punkte die man findet im Netz und zwar soll er anti-Jüdische Äußerungen getätigt haben.

00:40:17: Also er war da wohl bekannt für eine anti-jüdische Denkweise und er vertrat da auch die Meinung beziehungsweise, die Gottesmordtese.

00:40:27: also er sagte so ungefähr Juden brauchen sich nicht beschweren dass sie so schlecht behandelt werden weil Sie haben ja schließlich Christus gekreuzigt.

00:40:35: Ja

00:40:35: diese These ist aber weit verbreitet unter den Antisemiten.

00:40:39: Ja schlimm genug.

00:40:44: Ja, also, die Eröffnung der St.

00:40:51: Josephs Kapelle gab es dann und es gab weitere Anbauten zum Beispiel der Leo-Bau benannt nach Papst Leo XIII wo heute die Verwaltung drinsitzt in diesem Gebäude.

00:41:04: Hat das denn auch etwas mit dem Leo-Steg zu tun?

00:41:07: Gute Frage.

00:41:08: Das

00:41:08: weiß ich nicht.

00:41:09: An wen können wir die denn mal stellen?

00:41:11: Ja, ist der Leo-Stick auch Papst Leo dem dreizehnten Gewinn mit oder das was mit Leo Henrich zu tun?

00:41:18: im Farben

00:41:19: habe ja immer gedacht aber jetzt wo du es so mit dem Leobauer ziehst.

00:41:25: Es wurde weitergebaut Um und An gebaut.

00:41:29: Und was ich da auch interessant war in dem Zusammenhang, also die Pdarfe stiegen unglaublich!

00:41:34: Also sie brauchten viel Platz für neue Knaben und deswegen aber auch wegen neuen gesetzlichen Regelungen Achtung zur Zwangserziehung mussten sie weitere Bauten machen.

00:41:48: Also eine Zwangserziehung finde ich jetzt ein bisschen erschreckend weiß aber nicht genau was dahinter steckt.

00:41:53: dann müssten wir mal separat drüber nachgucken.

00:41:56: Auf jeden Fall kommt es dann zum Anbau, dem sogenannten Canisius-Bau.

00:42:01: Der ist nachdem niederländischen Jesuiten Petrus Canisus benannt.

00:42:06: Ich glaube Kettler war auch Jesuit, jedenfalls in seiner Ausbildungszeit – ich weiß nicht wie's dann später war!

00:42:14: Und wann war das

00:42:15: zeitlich?

00:42:16: Das war ungefähr dreißig Jahre nach, achtzehnhundertsechsundneunzig.

00:42:20: Also, neunzehundertdreißig.

00:42:23: Ja... Ja, auf jeden Fall diesen Anbau gibt es noch und da ist heute die Bischof Kettler Schule drin.

00:42:29: Und dann gab es hier auch Werkstätten.

00:42:32: also die Knabenherr konnten ja dann auch nach der Schule quasi eine Ausbildung noch dort vor Ort genießen.

00:42:38: Da gab's Schreinerei Schlosserei Gärtnerei Weiß nicht, ob Mala unter Pizierausbildung gab es glaube ich auch.

00:42:46: Wurde auch angeboten und das wurde glaube ich von den sogenannten Josefsbrüdern geleitet und organisiert.

00:42:53: also die ist dann da...die Mönche die gab's ja dann da auch eine Zeit lang.

00:42:58: Ja also da haben wir wirklich viel getan und wir wissen auch dass es da dunkle Zeiten gab.

00:43:03: Wir sprechen jetzt nicht nur von Der Zeit von neununddreiß bis neunzundhundertfünfundvierzig, wo die NSDAP das ganze beschlagnahmt hat und auch die SS und ja ... Das Kriegsgefangene Lazaret war.

00:43:17: Aber das hat uns der Klaus im Detail erzählt.

00:43:20: Und sondern dass es natürlich auch wie in vielen, vielen Orten den Missbrauch vom Schutzbefohlenen gab.

00:43:28: Dazu gibt es auch das ein oder andere.

00:43:30: Wir wissen, da wird eine Aufarbeitung gerade durchgeführt.

00:43:35: diese Zeit des Aufzudecken ja sich zu erinnern vielleicht gehört dass auch zur Erinnerungskultur genaues wissen wir dann nicht.

00:43:44: Ja aber wir

00:43:46: wollen das lassen wir so stehen.

00:43:48: aber wir wollten uns auch nicht unerwähnt belassen weil das auch dazu gehört.

00:43:53: Das gehört zu unserem Leben mit gutem und schlechtem.

00:43:58: Ja, so viel zum Zeitstrahl.

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